Tödliche Schönheit


Seit Jahrtausenden ist der Mensch von Schlangen gleichermaßen fasziniert wie auch abgestoßen. Wer kennt sie nicht? Die Klapperschlange des wilden Westens, die dem Protagonisten kurz vorm Showdown noch einmal einen gewaltigen Schicksalsschlag verpasst. Viele Filmdarstellungen und das Unverständnis der Menschen gegenüber der Natur sind es, die dafür sorgen, dass diese Tiere geächtet und gefürchtet werden. Sogar organisierte Jagden finden heute noch statt, die die Schlange in ihrem natürlichen Habitat gefährdet und ihnen stellenweise das Überleben schwer macht.

Im US Bundesstaat Texas findet zum Beispiel alljährlich das sogenannte “rattlesnake hunt” Festival statt bei dem Tausende von Klapperschlangen ihr Leben lassen müssen obwohl der Mensch in diesem Fall nicht direkt durch die Schlange gefährdet ist. Aus den Häuten der Tiere werden anschließend Accessoires und Handtaschen hergestellt. Klapperschlangen stellen in diesem Gebiet der Erde ein natürliches Gleichgewicht zur stetig anwachsenden Nager Population dar. Meistens überfallen sie die Nester von Mäuseverbänden und fressen ganze Generationen der sich äußerst schnell vermehrenden Nagetiere. Deswegen sind Klapperschlangen unverzichtbar für das dortige biologische Gleichgewicht. Es müsste wahrlich viel passieren um eine Klapperschlange im negativen Sinne auf sich aufmerksam zu machen oder sie zum gefürchteten Gift Biss zu bewegen, denn wie die meisten Tiere ist auch die Klapperschlange eher scheu und geht Ärger lieber aus dem Weg.

Verschiedene Kulturen verehren dagegen die Schlange noch immer als heilige und weise Tiere, die seit Äonen den Lauf der Welt beobachten. Schlangenbeschwörer aus Sri Lanka verdienen sich ihr täglich Brot durch das allseits bekannte “Beschwören und Tanzen lassen” der Indischen Brillenkobra. Die Schlange scheint dabei, mit dem für Kobras typischen aufgestellten Kragen, den Rhythmen der Beschwörer zu folgen und sich tranceartig in Richtung der Flöten zu bewegen (dabei folgen sie meist der ausgestreckten, sich hin und her bewegenden Hand des Musikers).

Das Christentum sieht die Schlange als Verkörperung des Teufels. Meines Erachtens nach sagt man ihr die List und gegenspielerische Intelligenz nicht umsonst nach.

Die ägyptische Königin Kleopatra soll sich laut der Legende durch den Gift Biss und die “Gnade” einer Kobra das Leben genommen haben. In der Ägyptischen Mythologie wird die Schlange als Zeichen des Ur-Chaos angesehen. Sie wurde so sehr gefürchtet, dass sogar ihre Symbole in die Grabkammern der Könige als Abschreckung vor Grabräubern eingraviert wurden.

Was die Menschen zweifelsohne so sehr an der Schlange fürchten dürfte mitunter ihre nächtliche Aktivität sein (was die Teufelsdarstellung im Christentum erklären würde). Die menschliche Wahrnehmung ist des Nachts auf ein Minimum beschränkt während die Schlange mit all ihren Instinkten voll ausgestattet ist und sogar bei völliger Dunkelheit Beute jagen kann. Dieser Aspekt lässt den Menschen als völlig hilflos erscheinen.

An dieser Stelle könnte man noch viele Beispiele für Sinnbilder und Rollen in Mythologie und Geschichte nennen, dies würde aber den Umfang dieser Seite sprengen.

Ich konnte bei meiner täglichen Arbeit mit diesen Tieren nichts außergewöhnlich “diabolisches” in ihren Charakterzügen feststellen. Wie alle Lebewesen haben auch Schlangen ihre eigenen Charaktere. Manche sind neugierig, manche leichter reizbar als andere und andere wiederum sehr scheu und leben eher zurückgezogen. Mit dem nötigen Respekt, welchen man den Tieren entgegen bringen sollte kommen Mensch und Tier sehr gut miteinander aus. Natürlich lässt sich aus einer Giftschlange kein Streicheltier machen noch lässt sie sich zähmen. Doch ich wage zu behaupten, dass die Schlange und der Mensch mit der nötigen Toleranz nebeneinander existieren können ohne dass einer den anderen fürchten oder verabscheuen muss. In Wahrheit setzt der Mensch der Schlange mehr zu als umgekehrt doch dazu wird es mehr in der Rubrik Artenschutz geben.

Glücklicherweise löst die Schlange nicht bei jedem Abscheu und Furcht aus so dass es noch mehr Menschen gibt, die meine Leidenschaft für die Schönheit und Ästhetik dieser Tiere teilen. Gerade die stetig anwachsende Terraristik-Szene fördert die Beschäftigung mit exotischen Tieren und deren Lebensweise so wie auch die der Schlangen.

Meine bescheidene Aufgabe soll es sein mit dieser Homepage einen kleinen Beitrag zu leisten, der Schlange ihren schlechten Ruf zu nehmen. Denn Letzteren hat sie wirklich nicht verdient!